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Mahnwesen Guide

Mahnung schreiben: Die komplette Anleitung

Professionelle Mahnungen schreiben, die wirken. Mit kostenlosen Muster-Vorlagen für alle drei Mahnstufen, Verzugszinsen-Rechner und Tipps zum Inkasso.

Rechtlich geprüft
Inkl. Muster-Texte

Das Wichtigste in Kürze

Nur 1 Mahnung ist Pflicht
3 Mahnungen sind Kulanz, nicht gesetzlich vorgeschrieben
Verzugszinsen: 10.27% (B2B)
Basiszins 1.27% + 9% (Stand Januar 2026)
40€ Pauschale bei B2B
Zusätzlich zu Zinsen und Mahnkosten (§288 Abs. 5 BGB)
B2B: 30-Tage-Automatik
Verzug tritt auch ohne Mahnung ein

Grundlagen der Mahnung

Eine Mahnung ist eine eindeutige Aufforderung an den Schuldner, eine fällige Zahlung zu leisten. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass der Schuldner in Verzuggerät – mit wichtigen rechtlichen Folgen.

✓ Vorteile bei Verzug

  • Verzugszinsen verlangen
  • Mahnkosten erstattet bekommen
  • 40€ Pauschale bei B2B
  • Inkasso/Mahnbescheid einleiten

⚠ Wichtig zu wissen

  • Eine Mahnung reicht rechtlich aus
  • 3 Mahnungen sind nur Branchenübung
  • Keine spezielle Form vorgeschrieben
  • E-Mail-Mahnung ist gültig

Wann beginnt der Verzug?

Der Verzug (§286 BGB) ist die rechtliche Grundlage für Verzugszinsen und Mahnkosten. Wann er eintritt, hängt davon ab, ob Sie mit einem Verbraucher oder Unternehmer handeln.

SituationVerzugsbeginnMahnung nötig?
B2B (Unternehmer an Unternehmer)30 Tage nach RechnungserhaltNein (automatisch)
B2C (an Verbraucher)Nach Erhalt der MahnungJa (mindestens eine)
B2C mit 30-Tage-Hinweis30 Tage nach RechnungserhaltNein (wenn Hinweis auf Rechnung)
Kalendarisch bestimmter TerminTag nach dem TerminNein

Tipp für B2C-Rechnungen

Fügen Sie auf Ihren Rechnungen an Verbraucher folgenden Hinweis hinzu, um den automatischen 30-Tage-Verzug zu aktivieren:

"Sollte die Zahlung nicht innerhalb von 30 Tagen nach Zugang dieser Rechnung erfolgen, geraten Sie automatisch in Verzug."

Die 3 Mahnstufen

Obwohl rechtlich nur eine Mahnung nötig ist, hat sich die Praxis mit drei Stufen bewährt. Sie geben dem Schuldner mehrere Chancen und dokumentieren Ihre Bemühungen.

1. Mahnung

Auch: Zahlungserinnerung

1
Ton:Freundlich, neutral
Frist:10-14 Tage
Gebühren:Keine Mahngebühren
Zinsen:Noch nicht berechnen

Inhalt:

  • Höflicher Hinweis auf offene Rechnung
  • Annahme eines Versehens
  • Neues Zahlungsziel setzen
  • Bankverbindung angeben

2. Mahnung

Auch: Erste Mahnung

2
Ton:Bestimmt, sachlich
Frist:7-10 Tage
Gebühren:2-3 EUR (tatsächliche Kosten)
Zinsen:Berechnen und ausweisen

Inhalt:

  • Bezug auf erste Erinnerung
  • Deutlichere Aufforderung
  • Verzugszinsen aufführen
  • Mahnkosten (nur tatsächliche Kosten)

3. Mahnung

Auch: Letzte Mahnung

3
Ton:Ernst, bestimmt
Frist:3-5 Werktage
Gebühren:3-5 EUR + 40 EUR (B2B)
Zinsen:Vollständig berechnen

Inhalt:

  • Letzte Aufforderung zur Zahlung
  • Vollständige Kostenaufstellung
  • Ankündigung Inkasso/Mahnbescheid
  • Keine weitere Korrespondenz

Muster-Texte zum Kopieren

Hier finden Sie Vorlagen für alle drei Mahnstufen. Passen Sie die Platzhalter [in eckigen Klammern] an Ihren Fall an.

1. Mahnung / Zahlungserinnerung

Sehr geehrte/r [Name],

bei der Durchsicht unserer Buchhaltung haben wir festgestellt, dass die Rechnung Nr. [NUMMER] vom [DATUM] über [BETRAG] EUR noch nicht beglichen wurde.

Das Zahlungsziel war der [FÄLLIGKEITSDATUM].

Sicherlich handelt es sich um ein Versehen. Wir bitten Sie daher, den offenen Betrag innerhalb der nächsten 14 Tage auf folgendes Konto zu überweisen:

Bank: [BANKNAME]
IBAN: [IBAN]
Verwendungszweck: Rechnung [NUMMER]

Sollte sich Ihre Zahlung mit diesem Schreiben gekreuzt haben, betrachten Sie diese Erinnerung bitte als gegenstandslos.

Mit freundlichen Grüßen

2. Mahnung

Sehr geehrte/r [Name],

leider mussten wir feststellen, dass trotz unserer Zahlungserinnerung vom [DATUM 1. MAHNUNG] die Rechnung Nr. [NUMMER] über [BETRAG] EUR noch immer offen ist.

Wir bitten Sie dringend, den ausstehenden Betrag zuzüglich der angefallenen Verzugszinsen und Mahnkosten innerhalb von 10 Tagen zu begleichen:

Rechnungsbetrag:          [BETRAG] EUR
Verzugszinsen:            [ZINSEN] EUR
Mahnkosten:               [2,50] EUR
----------------------------------------
Gesamtbetrag:             [SUMME] EUR

[Bankverbindung]

Sollten Sie Fragen haben oder eine Ratenzahlung wünschen, setzen Sie sich bitte umgehend mit uns in Verbindung.

Mit freundlichen Grüßen

3. Mahnung / Letzte Mahnung

Sehr geehrte/r [Name],

trotz unserer wiederholten Zahlungsaufforderungen vom [DATUM 1. MAHNUNG] und [DATUM 2. MAHNUNG] ist die Rechnung Nr. [NUMMER] nach wie vor nicht beglichen.

Wir fordern Sie hiermit letztmalig auf, den gesamten ausstehenden Betrag innerhalb von 5 Werktagen zu überweisen:

Ursprünglicher Rechnungsbetrag:    [BETRAG] EUR
Verzugszinsen bis [DATUM]:         [ZINSEN] EUR
Mahnkosten:                        [KOSTEN] EUR
[B2B: Verzugspauschale:            40,00 EUR]
-------------------------------------------------
Gesamtforderung:                   [SUMME] EUR

[Bankverbindung]

Sollte die Zahlung nicht fristgerecht eingehen, werden wir ohne weitere Ankündigung ein Inkassounternehmen beauftragen / ein gerichtliches Mahnverfahren einleiten. Die dadurch entstehenden zusätzlichen Kosten gehen zu Ihren Lasten.

Mit freundlichen Grüßen

Verzugszinsen berechnen

Verzugszinsen werden ab dem ersten Tag des Verzugs berechnet. Der Zinssatz hängt davon ab, ob der Schuldner ein Verbraucher oder Unternehmer ist.

Verbraucher (B2C)

6.27% p.a.

Basiszins (1.27%) + 5%

Unternehmer (B2B)

10.27% p.a.

Basiszins (1.27%) + 9%

Berechnungsformel

Verzugszinsen = (Betrag × Zinssatz × Verzugstage) ÷ (365 × 100)

Beispiel: 1.000€ Forderung, 60 Tage Verzug, B2B:

(1.000 × 10,27 × 60) ÷ (365 × 100) = 16,88 EUR

Mahngebühren – was ist erlaubt?

Mahngebühren müssen die tatsächlichen Kostenwiderspiegeln. Pauschale Mahngebühren sind nach BGH-Rechtsprechung unzulässig.

BGH-Urteil (26.06.2019 - VIII ZR 95/18)

Pauschale Mahngebühren von 2,50 EUR wurden als unzulässig erklärt. Nur tatsächliche Kosten dürfen berechnet werden: Porto, Papier, Druck = ca. 0,76-3,00 EUR.

✓ Erlaubte Kosten

  • Porto (aktuell 0,85€ Standard)
  • Papier und Druck (~0,10€)
  • Umschlag (~0,05€)
  • Einschreiben (bei 3. Mahnung)

✗ Nicht erlaubt

  • Pauschale Mahngebühren (z.B. 5€)
  • Personalkosten/Zeitaufwand
  • Verwaltungsgebühren
  • Gebühren bei E-Mail-Mahnung

Sonderfall B2B: 40€ Verzugspauschale

Bei Geschäften zwischen Unternehmern (B2B) können Sie nach §288 Abs. 5 BGB eine Pauschale von 40 EURverlangen – zusätzlich zu Verzugszinsen und tatsächlichen Mahnkosten. Diese Pauschale gilt nicht bei Verbrauchern (B2C).

Inkasso & Mahnbescheid

Wenn alle Mahnungen erfolglos bleiben, haben Sie zwei Optionen: Ein Inkassounternehmen beauftragen oder einen gerichtlichen Mahnbescheid beantragen.

Inkasso

  • Schnelle Kontaktaufnahme
  • Professionelles Mahnwesen
  • Kann nicht vollstrecken
  • Kosten gehen an Schuldner

Gut für unstrittige Forderungen und wenn Sie die Kundenbeziehung erhalten wollen.

Gerichtlicher Mahnbescheid

  • Führt zu vollstreckbarem Titel
  • Hemmt Verjährung
  • Geringe Kosten (ca. 30-50€)
  • Dauert 2-4 Wochen

Online beantragen unter mahngerichte.de

Häufige Fragen

Weiterführende Ratgeber

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